Wenn man, so wie ich, unter einem ausgeprägten, dauerhaften Kopulationsdeifizit leidet, dann kommt man hin und wieder auf groteske Ideen. Einer dieser, durchaus als fragwürdig zu bezeichnenden, Gedankengänge war es, doch mal die wundersamen Möglichkeiten des Internets dazu zu nutzen, ein entsprechendes Weibchen aufzutun, welches dergestalt sein sollte, dass es nicht nur intellektuell, sondern auch kulturell zumindest einigermaßen in meinem Fahrwasser schwimmen kann. Immerhin, so behauptet die Wissenschaft, sollen ja Chats, Foren, Singlebörsen und Co. schon längst den klassischen Brunftstätten, wie Diskotheken, den Rang abgerungen haben. Gut. Vermutlich haben die Herren Kollegen aber auch einfach die falsche Methode für ihre Nachforschungen verwendet und mit Sicherheit noch nie ein derartiges, virtuelles, Etablissement von innen gesehen (wobei ich mir fast sicher bin, dass sie auch materielle Institutionen ähnlicher Gestalt seit Jahrzehnten weiträumig umgehen).
Bedingt durch die Tatsache, dass mein äußerliches Erscheinungsbild nur von denjenigen positiv bewertet wird, die sich mir in irgendeiner Form familiär verbunden fühlen oder denen ich nicht geringe Summen für ihre Auskünfte darzubieten bereit bin, scheidet der Kampf mit der materiellen Außenwelt für mich insofern aus, als dass dort keinerlei erfolgversprechende Kontaktaufnahmen zu erwarten sind. Im Gegenteil wirkt es auf mich vielmehr so, als würde irgendetwas das Licht um mich herum leiten, sodass ich nicht einmal annähernd in den Bereich der Wahrnehmungsschwelle meines Gegenübers gelange.
Was tut man nun also, wenn man versucht, dem allgemeinen Testikelüberdruck mit zumindest einem gewissen Grundniveau entgegen zu treten? Ich probierte es zunächst mit diversen, angeblich seriösen weil gut verdienenden, allseits bekannten und weithin werbenden Plattformen. Bei der Gelegenheit wurde mir schnell klar, dass man selbstverständlich unglaublich gut aus der Verzweiflung anderer Menschen Profit schlagen kann, wenn man ihnen, unter dem Deckmäntelchen seriöser Nutzerkontrolle, nur dann erlaubt, miteinander zu kommunizieren, wenn man ihnen zuvor einen Monatsbeitrag abknöpft, der in unseren Breiten auch dazu geeignet wäre, ein Luxus-Fitnessstudio zu besuchen (was dann zwar an sich aufstauenden Säften nichts ändern, aber durchaus als ähnlich erschöpfende Betätigung betrachtet werden kann). Ist man, wie ich, so gutgläubig und fällt auf diese Masche rein, stellt man alsbald fest, dass alle potenziellen Paarungskandidatinnen nahezu augenblicklich als Fake enttarnt und gelöscht werden. Betrachtet man die Tatsache, dass Derartiges ausschließlich passiert, wundert es nicht, dass sich die Betreiber damit die Nase in Platin gießen lassen können.
Der nächste Anlaufpunkt waren dann eher Communities, deren Szenezugehörigkeit ich mich, bedingt durch meine musikalischen Vorlieben, eher verbunden fühle. Ohne große Erwartungen zu haben, äußerte ich auch dort, was mir so in etwa vorschwebt (denn immerhin wurde dort nicht zwangsläufig jedwede Kommunikation unterbunden) und harrte der Dinge, die dort kommen mochten. Erwartungsgemäß eine ganze lange Weile nichts. Nach Verstreichen dieser Weile, meldete sich dann doch jemand, der aber nun ungefähr zu dem passte, was ich suchte, wie „Darmspiegelung“ zu „Kindergeburtstag“. Das wäre nun auch nicht all zu schlimm gewesen, hätte sich dadurch nicht wieder einmal das allseits verbreitete Vorurteil bestätigt, dass manch eine Szene nicht viel mehr ist, als ein Sammelpunkt für depressive Missbrauchsopfer und andere Gestalten, die (mehr oder weniger unverschuldet) am Leben gescheitert sind. Da mein Bedarf an Fremdsorgen deutlich ausgeschöpft ist, kann ich auch dort sagen, dass der Versuch ein gescheiterter war.
Die nächste Station war dann der Umtrieb in diversen Chats (denn derer gibt es viele), um mal zu schauen, ob nicht vielleicht so irgendeine Form der sinnhaften Kommunikation zustande kommen könnte. In den meisten Fällen, wenn es überhaupt zu derartig tiefgreifenden Gesprächen kam, endete das mit der Beantwortung von oberflächlichen Grundsatzinformationen, wie dem Alter, dem Geschlecht, der Herkunft, den finanziellen Verhältnissen, der Abfrage von Blutgruppe, Impfungen, bekannten Vorerkrankungen, Wohnverhältnissen, Nachbarn, Kreditwürdigkeit und einer innerhalb von wenigstens sechs Wochen zu übereignenden Genprobe. Klar, wenn man sich in den Weiten des Netzes herumtreibt, sollte man (seit es für jedermann erschwinglich und zugänglich ist) nicht erwarten, dass die dort anwesenden diplomierte Computerwissenschaftler sind. Mir ist ebenfalls bewusst, dass die Hoffnung auf ein geistreiches Gespräch analog zur Chance auf eine friedliche, aufgeklärte und unvoreingenommene Beilegung aller Streitigkeiten zwischen den USA und dem Iran ist.
Nach all diesen wenig erfolgversprechenden Versuchen, beschloss ich, dem Problem, wie sonst auch, qua manueller Dispensation nachzugehen und die virtuelle Partnersuche bisweilen auf sich beruhen zu lassen und der Dinge zu harren, die da kommen mögen.